Der Philae-Tempel ist eine der schönsten antiken Stätten Ägyptens — ein eleganter ptolemäischer Tempel, der Göttin Isis geweiht, auf einer üppig grünen Insel inmitten des tiefblauen Nilwassers bei Assuan. Die Anfahrt per Motorboot über den Fluss verleiht dem Besuch eine Pilger-Atmosphäre, die kaum ein anderer Tempel bieten kann.
Geschichte
Der Tempelkomplex wurde hauptsächlich während der ptolemäischen Epoche (305-30 v. Chr.) erbaut, obwohl die Stätte Isis schon lange zuvor heilig war. Der Haupttempel wurde von Ptolemäus II. begonnen und von aufeinanderfolgenden Herrschern erweitert, darunter mehrere römische Kaiser. Philae war einer der letzten Orte in Ägypten, an dem die alte Religion praktiziert wurde — heidnische Verehrung wurde hier bis 537 n. Chr. fortgeführt, über ein Jahrhundert nachdem das Christentum zur offiziellen Religion geworden war.
Die Tempelwände enthalten einige der letzten jemals gemeißelten hieroglyphischen Inschriften, darunter das berühmte "Graffito des Esmet-Akhom" aus dem Jahr 394 n. Chr. — der letzte bekannte hieroglyphische Text der Geschichte.
Die UNESCO-Rettung
Wie Abu Simbel war Philae durch den Assuan-Staudamm bedroht. Die ursprüngliche Insel Philae wurde durch den Nassersee dauerhaft überflutet. Zwischen 1972 und 1980 koordinierte die UNESCO den Abbau des gesamten Tempelkomplexes und seinen Wiederaufbau auf der nahegelegenen, höher gelegenen Insel Agilkia, die so gestaltet wurde, dass sie der Topographie der Originalinsel entspricht. Die Rettung bewahrte jede Säule, jedes Relief und jeden Hof.
Was es zu sehen gibt
Der Erste Pylon: Das massive Eingangstor zeigt Reliefs von Ptolemäus XII. beim Erschlagen von Feinden vor Isis und Horus — ein klassisches pharaonisches Motiv, das von griechischen Herrschern übernommen wurde, um ihre Autorität zu legitimieren.
Der Hypostylsaal: Zehn Säulen mit kunstvoll geschnitzten Blütenkapitellen tragen das Dach. Die Wände zeigen römische Kaiser (Tiberius und Augustus) bei Opfergaben an ägyptische Götter — eine faszinierende kulturelle Verschmelzung.
Das Innere Heiligtum: Das Allerheiligste, in dem die heilige Statue der Isis aufbewahrt wurde. Der Granitschrein, der die Statue beherbergte, steht noch an seinem Platz. Die Reliefs hier zeigen Isis beim Stillen ihres Sohnes Horus — ein Bild, das nach Ansicht einiger Wissenschaftler frühchristliche Darstellungen der Madonna mit Kind beeinflusst hat.
Der Kiosk des Trajan: Dieser elegante, offene Pavillon mit 14 Säulen und Wandschirmen ist zum Symbol von Philae geworden. Er wurde wahrscheinlich als Zwischenstation für die heilige Barke während Festen genutzt. Sein Bild erscheint auf zahllosen Postkarten und Gemälden.
Der Hathor-Tempel: Ein kleinerer Tempel südlich des Hauptkomplexes, der Hathor geweiht ist. Die Reliefs zeigen Musiker und Tänzer — seltene weltliche Szenen in einem ansonsten religiösen Komplex.
Ton- und Lichtshow
Die abendliche Ton- und Lichtshow in Philae gilt weithin als die beste in Ägypten. Das Publikum geht durch den illuminierten Tempel, während die Geschichte von Isis und Osiris erzählt wird. Die Spiegelungen auf dem umgebenden Wasser schaffen eine magische Atmosphäre. Die Shows finden allabendlich in mehreren Sprachen statt — erkundigen Sie sich im Hotel nach dem Programm.
Praktische Informationen
Boote nach Philae starten vom Anleger am Assuan-Staudamm. Die Bootsfahrt dauert etwa 10 Minuten. Vereinbaren Sie einen Hin- und Rückfahrtpreis, bevor Sie einsteigen (200-300 EGP für ein Privatboot, oder teilen Sie mit anderen Besuchern für weniger). Der Eintritt zum Tempel beträgt 200 EGP.
Der Tempel ist ein zentraler Stopp auf unserer Nilkreuzfahrt: Luxor nach Assuan und ist in der 5-Tage-Tour Kairo, Luxor & Abu Simbel enthalten. Am besten besuchen Sie ihn morgens oder am späten Nachmittag für das beste Licht und die geringsten Besucherzahlen.
Tipps
Bringen Sie einen Hut und Wasser mit — die Insel hat wenig Schatten. Das Innere ist gut erhalten und kühl. Fotografieren ist überall erlaubt. Planen Sie 1,5-2 Stunden für einen gründlichen Besuch ein. Der Souvenirladen am Bootsanleger verkauft anständige Repliken und Bücher. Ein sachkundiger Reiseleiter ist hier unverzichtbar — die Geschichte des Tempels umspannt pharaonische, ptolemäische, römische und christliche Epochen, und die vielschichtige Symbolik ist komplex.
